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Sechsundsechzig Bücher. Niemand hat die Liste diktiert.

Eine evangelische Bibel hat 66 Bücher, eine katholische 73, eine äthiopische rund 81. Die Liste ist über Jahrhunderte gewachsen, mit Streit, Funden und Beinahe-Büchern. Jeden Morgen ein Stück dieser Geschichte, eine Stelle zum Nachlesen und die Stimmen der Forschung, wo sie uneins ist.

Der Kurs stützt sich auf John Bartons «A History of the Bible», Bruce Metzgers «The Canon of the New Testament», Lee Martin McDonalds «The Biblical Canon», die Kanonlisten bei Gallagher und Meade, Michael Krugers «Canon Revisited», Bart Ehrmans «Lost Christianities» und «Lost Scriptures», Timothy Lims «The Formation of the Jewish Canon», Roger Beckwith, Konrad Schmid und Jens Schröter, Hans von Campenhausen, David Trobisch, Elaine Pagels und Marvin Meyer. Wo ein Befund aus einem bestimmten Werk stammt, nennt die Mail den Autor.

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Der Fahrplan: acht Wochen, acht Fragen

  1. Was ein Kanon ist. Messlatte, Bibliothek, Schriftrolle und Kodex, die drei Körbe des Eusebius. Frage: Wer hat eigentlich entschieden?
  2. Die hebräische Bibel. Tora, Propheten, Schriften, die Wackelkandidaten, der Mythos von Jamnia, Qumran. Frage: Hatte Jesus schon eine Bibel?
  3. Die Septuaginta und die Bücher dazwischen. Alexandria, Hieronymus gegen Augustinus, Luther, Trient, Henoch. Frage: Warum ist eine katholische Bibel dicker?
  4. Von Jesus zu vier Evangelien. Mündliche Überlieferung, Irenäus, Tatian, Markion, das Muratorische Fragment. Frage: Warum vier und nicht eines?
  5. Die Briefe und die Umstrittenen. Die Paulussammlung, Hebräer, Offenbarung, Athanasius 367, die Beinahe-Bücher. Frage: Welche hätten es fast nicht geschafft?
  6. Die Ausgeschlossenen. Nag Hammadi, Thomas, Gnosis, Serapion, Kindheitsevangelien, Judas und Maria. Frage: Was steht in den Büchern, die draussen blieben?
  7. Die Kriterien und der Streit. Apostolizität, Rechtgläubigkeit, Gebrauch; Ehrman, Kruger und Barton; Liste gegen Text. Frage: Nach welchen Regeln?
  8. Ernte. Luthers Sorgenkinder, wie fest die Liste ist, der Fund von morgen, Kapitel und Verse, die Bibliothek lesen. Frage: Was heisst das heute?
Lies die erste Mail, bevor du bestellst

Guten Morgen!

Ab heute kommt jeden Morgen eine kleine Geschichte zu einer Frage, die selten gestellt wird: Wie kam die Bibel zu ihren Büchern? Wer hat entschieden, dass das Matthäusevangelium hineingehört und das Thomasevangelium nicht, dass der Judasbrief drin ist und der Barnabasbrief draussen?

Die Antwort ist nicht einfach. Nimm eine evangelische Bibel aus dem Regal, und du zählst 66 Bücher. Nimm eine katholische, und es sind 73, weil Bücher wie Tobit, Judit, Sirach und die Makkabäerbücher dazukommen. Die äthiopische Kirche zählt rund 81. Drei Bibeln, drei Listen, und alle drei heissen seit Jahrhunderten schlicht «die Bibel». Wäre die Liste an einem Tag und an einem Ort beschlossen worden, gäbe es diese Unterschiede nicht.

Das ist der Gedanke zum Start: Niemand hat diese Liste diktiert. Sie ist gewachsen, über Jahrhunderte, in vielen Städten, aus Gewohnheit, Gebrauch und Streit, und die späten Beschlüsse bestätigten meist nur, was längst gelesen wurde. Der Kurs erzählt, wie das ging. Der Titel sagt es: Die 66 sind die eine Hälfte der Geschichte, die anderen, die draussen blieben oder beinahe drin waren, sind die andere.

Ein Wort zur Haltung. Die Forschung ist sich in vielem einig, in manchem nicht. Es gibt eine historisch-kritische Sicht, die den Kanon als Ergebnis von Konflikten und Mehrheiten liest, und eine konservative Sicht, die ihn als etwas liest, das die Kirche erkannt und nicht gemacht hat. Beide kommen hier zu Wort, und der Kurs spielt nicht Schiedsrichter. Er sagt jeweils, was gesichert ist, also Daten, Listen und Handschriften, was Deutung ist und wer sie vertritt. Ob die Bibel wahr ist, fragt der Kurs nicht. Er fragt, wie ihr Inhaltsverzeichnis entstand. Was dir die Antwort bedeutet, entscheidest du.

Acht Wochen sind es, jede mit einer Frage. Diese erste Woche klärt, was ein Kanon überhaupt ist und wer eigentlich entschieden hat. Woche zwei geht zur hebräischen Bibel und fragt, ob Jesus schon eine Bibel hatte. Woche drei erzählt von der griechischen Übersetzung und den Büchern dazwischen, die evangelische und katholische Bibeln bis heute trennen. Woche vier fragt, warum vier Evangelien und nicht eines. Woche fünf geht zu den Briefen und den Büchern, die es fast nicht geschafft hätten. Woche sechs öffnet die Bücher, die draussen blieben. Woche sieben fragt nach den Regeln, nach denen entschieden wurde, und nach dem Streit darüber. Woche acht sammelt die Ernte: was das alles heisst, wenn du heute eine Bibel aufschlägst.

Zum Nachlesen: Schlag heute das Inhaltsverzeichnis irgendeiner Bibel auf, die du greifen kannst, und zähle die Bücher. Achte darauf, ob zwischen den beiden Testamenten ein eigener Block steht; daran erkennst du, aus welcher Tradition sie stammt.

Zum Vertiefen: Dieser Kurs stützt sich auf Bücher von John Barton, Lee Martin McDonald, Bruce Metzger, Edmon Gallagher und John Meade, Michael Kruger, Bart Ehrman, Timothy Lim, Roger Beckwith, Konrad Schmid und Jens Schröter; wo ein Befund aus einem bestimmten Buch stammt, steht es jeweils am Ende der Mail.

Einen guten Tag!

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